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22.12.2018 - Originelle Bescherung: „Zeitgeschenke“ bei der Rommerskirchener Tafel

NEUSS - GREVENBROICHER ZEITUNG


Bescherung bei der Tafel Rommerskirchen
Das Tafelteam  um Heike Hendrich und Anja Hauser (Dritte und Vierte von links, untere Reihe) erwartet an einem reichlich gedeckten Gabentisch die Kunden. (Foto: Georg Salzburg)

Rommerskirchen Bei der Rommerskirchener Tafel fand schon am Freitag die Weihnachtsbescherung statt:  Ein besonders interessantes Geschenk sind – noch zu erfüllende – „Zeitwünsche“.

Mit dem wohl mit Abstand größten Gabentisch der Gemeinde wartete am Freitag die Rommerskirchener Tafel auf. Drei Tage vor Heiligabend hatten eine Praktikantin und ehreamtlichen Helferinnen 140 Weihnachtstüten gepackt – für jeden Haushalt, der bei der Tafel einkauft, eine. Darüber hinaus konnten sich die vorab bescherten Tafelkunden über zahlreiche Pakete freuen, die das 35-köpfig Helferteam vorbereitet hatte.

Beschenkt wurden insbesondere Kinder, aber auch die Senioren kamen am Freitag nicht zu kurz. Ein besonderes Geschenk waren die „Zeitwünsche“, eine Idee, die nach den Worten der Tafel-Vorsitzenden Heike Hendrich innerhalb des Tafel-Teams entstanden ist. Bei der Überlegung, wie sich Senioren zu Weihnachten eine Freude machen lässt, kam schnell die auch aus dem Kontakt mit älteren Menschen gewonnene Erkenntnis zustande, dass diese vielfach einen Menschen vermissen, der ihnen seine eigene Zeit schenkt, um diese gemeinsam im Gespräch, mit Spaziergängen oder bei anderen Unternehmungen zu verbringen.

Dieser Wunsch wird insbesondere, aber beileibe nicht nur von Alleinstehenden ohne Familienmitglieder geäußert. Für das Caritashaus St. Elisabeth wie für den Seniorenpark Carpe Diem gab es am Weihnachtswunschbaum im Rathaus jeweils zehn Karten. Die meisten davon waren am Freitag vergriffen: Diese Karten sollen ausgefüllt an die beiden Einrichtungen zurückgehen und gelten als „Bereitschaftserklärung“ der Absender, Zeit mit älteren Menschen zu verbringen.

„In der Regel ist eine Stunde Zeit schon ein tolles Geschenk“, sagt Heike Hendrich. Die absolute Ideallösung wäre es natürlich. „wenn daraus etwas Regelmäßiges wird, aber das ist kein Muss“, sagt die Tafel-Chefin. Was ihre Stellvertreterin Anja Hauser besonders freut, ist die Tatsache, dass „auch Leute, die sonst nicht mit der Tafel konform gehen, dieser Idee etwas abgewinnen können.“

Mit der weihnachtlichen Bescherung richtet sich der Blick auch auf das neue Jahr, in dem die Tafel ein kleines Jubiläum feiern kann. Im Mai nämlich jährt sich ihre Gründung zum zehnten Mal. Voraussichtlich wird das Jubiläum mit einem Kunden-Tafelfest gefeiert, wie Heike Hendrich sagt. Schon zu Jahresbeginn stehen bei der Tafel Vorstandswahlen an, bei denen das Führungsduo Hendrich/Hauser ebenso wie die anderen Vorstandskollegen erneut kandidieren wird. „Ich bin voll berufstätig und ohne das Team könnte ich diese Aufgabe gar nicht wahrnehmen“, sagt Heike Hendrich, die im Juni 2009 zur Tafel stieß und seit Januar 2013 deren Vorsitzende ist. Anja Hauser ist bei der Tafel seit November 2009 aktiv: Auf deren Arbeit war sie durch einen Artikel in der NGZ aufmerksam geworden. „Ein Rädchen greift ins andere. Jeder weiß, was er zu tun hat“, lobt sie das Klima bei der Tafel.

Das Helferteam ist auf 35 Männer und Frauen angewachsen – Rekord. Die Kundschaft schwankt bei 300 Menschen, „manchmal sind es weniger“, sagt Heike Hendrich. Darunter sind etwa 100 Kinder.

 

Quelle: NGZ